Du fragst mich, wie meine Ferien waren? Nun, ich habe sie genossen und sie waren sehr erholsam.

Ich hatte eine Wohnung an einem Fluss, ich konnte jeden Tag baden, wenn mir danach war. Ich habe jeden Tag

 lange Siesta gemacht und bin abends auf dem Balkon gesessen und habe das Treiben auf der Gasse beobachtet.

In der ersten Woche hatte ich ein Animationsprogramm in der Region gebucht mit vielen Ausflügen und lustigen Spielen. In der zweiten und dritten Woche ging ich es dann geruhsamer an und habe mich mehrheitlich bloss vom Liegestuhl in die Bar und vom Balkon ins Wasser bewegt. Ich bin jeden Tag der Entenmutter mit den vier putzigen Kleinen begegnet und habe beim Schwimmen interessante Menschen aus der Gegend kennengelernt und zufällig alte Bekannte getroffen. Speziell war die Begegnung mit einem fröhlich pfeifenden jüngeren Mann, der alle paar Meter die Böschung zum Flussufer hinunterstieg und die Abfälle einsammelte und sorgfältig in verschiedenen Taschen und Säcken verstaute.

Zwischendurch ging ich mit guten Bekannten aus und habe fein gegessen und endlich mal Zeit gehabt für gute Gespräche. Und ja, ich habe auch viel gespielt und gelesen. Und den Wolken zugeschaut und sogar wieder mal ein bisschen gemalt. Viel Spass gemacht hat es auch, zweimal wöchentlich auf dem lokalen Markt gute Sachen einzukaufen und beim Kochen zu experimentieren und damit meinen Mann zu verwöhnen. Und jeden Morgen meine Meditation und mein Gymnastikprogramm zu machen.

Meine Freunde haben mir von ihren Ferienerlebnissen und von einer Hochzeit erzählt und ich hatte sogar die Gelegenheit, ein nur wenige Stunden altes Neugeborenes einer Einheimischen kennenzulernen sowie am Geburtstagsfest eines Vierjährigen teilzunehmen.

Und fast jeden Tag habe ich etwas erledigt, was mir schon länger auf dem Magen lag.

Was? Jeden Tag etwas erledigt? Wie das? Ja klar, ich habe in den drei Wochen täglich Mails beantwortet und sogar zwei Sitzungen gehabt mit Kunden und auch diverse Büroarbeiten erledigt und mein Büro um- und aufgeräumt.

Hei, Du warst gar nicht weg! Du hast mich ja soeben angelogen!

Was hast Du Dir gedacht, wo ich war? Mein Zuhause ist in der Nähe eines grossen Flusses, in dem man wunderbar baden kann. Meine Animatoren in der ersten Woche waren meine zwei unternehmungslustigen Enkel. Meine Bar war der Kühlschrank in der Küche. Die Erzählungen meiner Freunde spielten sich am Telefon, persönlich und über den Chat ab. Und weisst du, was das Beste ist? Meine Mailbox ist nach den Ferien leer, ebenso die Box mit den dringenden Aufgaben. Und ich habe keinen Jetlag und keine unerledigte Post rumliegen. Ich bin bloss entspannt und erholt und habe Lust darauf, wieder richtig zu arbeiten.

 

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